Zur BDP-Website Sektion Verkehrspsychologie
Zur Startseite
Aktuelles
Die Sektion
Service / Kontakt
Beratung § 71
Verkehrspsychologie
Psychologie für alle
Beruf Psychologe
Mitgliedschaft im BDP


Zurück

    
    

Schreiben an Bund-Länder-Fachausschuss im Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Sektion Verkehrspsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen sowie die unterzeichnenden Organisationen wollen Sie über eine Entwicklung informieren, die uns in Bezug auf die Verkehrssicherheit zunehmend Sorgen bereitet: Es ist zu beobachten, dass angebliche Rehabilitationsmaßnahmen für auffällige Kraftfahrer (umgangssprachlich 'MPU-Vorbereitung') immer häufiger von Personen angeboten werden, die in keiner Weise dafür qualifiziert sind.
Wenn eine Fahrerlaubnisbehörde die Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens fordert, ist schon aufgrund der gesetzlichen Regelungen davon auszugehen, dass es sich bei den Betroffenen i. d. R. um Angehörige von hochauffälligen Personengruppen – im Sinne der Verkehrssicherheit – handelt. Besonders häufig liegt eine Suchtproblematik bzw. deren Vorstufen vor und/oder hochauffällige Persönlichkeitsstrukturen, die für das Fehlverhalten im Straßenverkehr verantwortlich sind.
Dementsprechend erfordert eine Verhaltensmodifikation hochauffälliger Verkehrsteilnehmer in fahreignungsfördernden Maßnahmen mit dem Ziel "Wiederherstellung der Fahreignung" eine sehr hohe fachliche/therapeutische Kompetenz, die deutlich über eine 'alltagsspsychologische' Betrachtung hinausgeht.
Diese Kompetenz kann i. d. R. über ein Studium der Psychologie (Dipl.- oder Master-Abschluss im Fach Psychologie) erworben werden.
Umfassende Fertigkeiten und Kentntisse sind insbesondere in folgenden Bereichen erforderlich

Diagnostische Kompetenz (Suchterkrankungen und deren Vorstufen, normabweichendes Verhalten)

Qualifikation zur Erstellung eines Behandlungs-/Maßnahmeplans

Kenntnisse im Straßenverkehrsrecht

Kenntnisse der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, insbesondere zugehöriger Basisliteratur wie Begutachtungsleitlinien und Beurteilungskriterien

Kenntnisse im Bereich medizinischer Befunde und chemisch toxikologischer Untersuchungen

Kenntnisse der psychosozialen Versorgungssysteme und des Suchthilfesystems

Kenntnisse und Erfahrung im Bereich psychotherapeutischer Intervention und deren Umsetzung



Diese Kenntnisse und Fähigkeiten sind keinesfalls "mal nebenbei" im Rahmen einer anderen Berufsausbildung oder gar in Wochenendkursen zu erwerben.
Aus den bisher dargelegten Sachverhalten sind folgende Schlussfolgerungen zu ziehen:

Bei von Eignungszweifeln betroffenen Kraftfahrern liegen i. d. R. hochauffällige Persönlichkeitsausprägungen oder Suchterkrankungen (bzw. deren Vorstufen) vor. Diese Ausgangssituation verbietet eine "laienhafte" Intervention und erfordert ein professionelles Vorgehen.

Professionelles Vorgehen kann nicht durch "Schnellkurse" erlernt werden. Die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten erfordern vielmehr ein umfassendes Grundlagenwissen, wie es nur im einschlägigen Studium und einer weiteren Zusatzausbildung erworben werden kann.

Erfolgreiche verkehrspsychologische Intervention im Rahmen der Rehabilitation von Kraftfahrern erfordert immer eine mittel- und langfristig stabile Verhaltensänderung. Eine "Vorbereitung auf die MPU / ein MPU-Training", wie es von zahlreichen Anbietern (einschließlich Fahrschulen) praktiziert wird, ist als kontraproduktiv anzusehen. Es führt dazu, dass in erster Linie vermeintlich richtige Antworten auf Fragelisten auswendig gelernt werden und untergräbt u. a. das Ziel der MPU im Sinne der Gefahrenabwehr.

Neuere Untersuchungen (Kiegeland, Brinkmann, Lehnert & Mück: 2016 / Veröffentlichung voraussichtlich 2016 in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit) haben nachgewiesen, dass hochauffälliges Verhalten im Verkehr ganz überwiegend durch Persönlichkeitsmerkmale bestimmt wird, so gut wie nie dagegen durch mangelnde Kenntnisse von Verkehrsvorschriften und –regeln. Eine Intervention mit pädagogischem Schwerpunkt kann somit nicht zielführend sein, da sie den eigentlichen Problembereich ausklammert.

Dem entsprechend muss bei massiven Verhaltensauffälligkeiten im Verkehr der Schwerpunkt auf einer psychologischen Intervention durch entsprechend ausgebildete Fachkräfte liegen.



Vor diesem Hintergrund ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum gerade im Bereich der "MPU-Vorbereitung" immer häufiger von einer "Entakademisierung" des Geschäftsfeldes gesprochen wird. Tatsächlich wird den betroffenen Personen für (meist) sehr viel Geld eine Mogelpackung verkauft, die aus Informationen zur MPU (gibt es auch kostenlos auf der Homepage der BASt), angeblicher Testvorbereitung und dem Training im Sinne von (vermeintlich) richtigen Antworten auf die (hypothetischen) Fragen von Gutachtern besteht. Einziges Ziel dieser "Vorbereiter" ist das Bestehen der MPU, eine Verhaltensänderung wird nicht angestrebt.
Darüber hinaus entstehen für die betroffenen Personen oft Kosten, die in keinem Verhältnis zur angebotenen Leistung stehen und die z. T. deutlich über den Kosten liegen, die bei einer fachlich korrekten verkehrspsychologischen Intervention entstehen. Dieser Sachverhalt ist für die Betroffenen aufgrund der Preisstruktur vieler Anbieter jedoch nicht sofort erkennbar. So wird z. B. am Ende eines "Grundlagenseminars" dem Teilnehmer nahegelegt, dass er nunmehr noch ein "Aufbauseminar" und danach noch ein "Alkoholseminar" zu absolvieren habe, damit seine Chancen, die MPU zu bestehen, verbessert werden. Nicht selten haben Betroffene am Ende Beträge von mehr als € 4.000 bezahlt. Im Gegensatz dazu liegen die Kosten einer fachlich qualifizierten verkehrspsychologischen Intervention nach einer Untersuchung des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen im Durchschnitt bei 995, 00 Euro.
Das bundesdeutsche System der Begutachtung und Rehabilitation auffälliger Verkehrsteilnehmer kann als mustergültig betrachtet werden. Es erfüllt gleichermaßen die Forderung nach einer Gefahrenabwehr im Straßenverkehr als auch der Rehabilitation auffällig gewordener Kraftfahrer. Untersuchungen zur Rückfallgefahr auffälliger Fahrer nach Begutachtung und Rehabilitation belegen die Wirksamkeit des derzeit praktizierten Systems.
Damit dies auch künftig so bleibt und das bestehende System nicht durch Aktivitäten von nicht- oder minderqualifizierten Personen ausgehölt wird, bitten wir Sie, sich dafür einzusetzen, dass der Bereich "Vorbereitung auf die MPU" durch den Gesetzgeber im Sinne von Qualifikations- und Qualitätsvorgaben geregelt wird, um derartige Missstände einzudämmen und betroffene Personen vor derartigen Machenschaften zu schützen. Ausgangspunkt könnten dabei von der BASt erarbeitete Grundsätze und Regulierungsvorschläge sein, die bereits vorliegen.
Natürlich ist dieses Thema umfassender und vielschichtiger, als es in diesem Schreiben dargestellt werden kann. Deshalb stehen wir gern für ein persönliches Gespräch bzw. weitere Kommunikation zur Verfügung.
Auch würden wir uns freuen, wenn Sie uns einen oder mehrere Ansprechpartner benennen könnten, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Mit freundlichen Grüßen Sehr geehrte Damen und Herren,
die Sektion Verkehrspsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen sowie die unterzeichnenden Organisationen wollen Sie über eine Entwicklung informieren, die uns in Bezug auf die Verkehrssicherheit zunehmend Sorgen bereitet: Es ist zu beobachten, dass angebliche Rehabilitationsmaßnahmen für auffällige Kraftfahrer (umgangssprachlich 'MPU-Vorbereitung') immer häufiger von Personen angeboten werden, die in keiner Weise dafür qualifiziert sind.
Wenn eine Fahrerlaubnisbehörde die Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens fordert, ist schon aufgrund der gesetzlichen Regelungen davon auszugehen, dass es sich bei den Betroffenen i. d. R. um Angehörige von hochauffälligen Personengruppen – im Sinne der Verkehrssicherheit – handelt. Besonders häufig liegt eine Suchtproblematik bzw. deren Vorstufen vor und/oder hochauffällige Persönlichkeitsstrukturen, die für das Fehlverhalten im Straßenverkehr verantwortlich sind.
Dementsprechend erfordert eine Verhaltensmodifikation hochauffälliger Verkehrsteilnehmer in fahreignungsfördernden Maßnahmen mit dem Ziel "Wiederherstellung der Fahreignung" eine sehr hohe fachliche/therapeutische Kompetenz, die deutlich über eine 'alltagsspsychologische' Betrachtung hinausgeht.
Diese Kompetenz kann i. d. R. über ein Studium der Psychologie (Dipl.- oder Master-Abschluss im Fach Psychologie) erworben werden.
Umfassende Fertigkeiten und Kentntisse sind insbesondere in folgenden Bereichen erforderlich

Diagnostische Kompetenz (Suchterkrankungen und deren Vorstufen, normabweichendes Verhalten)

Qualifikation zur Erstellung eines Behandlungs-/Maßnahmeplans

Kenntnisse im Straßenverkehrsrecht

Kenntnisse der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, insbesondere zugehöriger Basisliteratur wie Begutachtungsleitlinien und Beurteilungskriterien

Kenntnisse im Bereich medizinischer Befunde und chemisch toxikologischer Untersuchungen

Kenntnisse der psychosozialen Versorgungssysteme und des Suchthilfesystems

Kenntnisse und Erfahrung im Bereich psychotherapeutischer Intervention und deren Umsetzung



Diese Kenntnisse und Fähigkeiten sind keinesfalls "mal nebenbei" im Rahmen einer anderen Berufsausbildung oder gar in Wochenendkursen zu erwerben.
Aus den bisher dargelegten Sachverhalten sind folgende Schlussfolgerungen zu ziehen:

Bei von Eignungszweifeln betroffenen Kraftfahrern liegen i. d. R. hochauffällige Persönlichkeitsausprägungen oder Suchterkrankungen (bzw. deren Vorstufen) vor. Diese Ausgangssituation verbietet eine "laienhafte" Intervention und erfordert ein professionelles Vorgehen.

Professionelles Vorgehen kann nicht durch "Schnellkurse" erlernt werden. Die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten erfordern vielmehr ein umfassendes Grundlagenwissen, wie es nur im einschlägigen Studium und einer weiteren Zusatzausbildung erworben werden kann.

Erfolgreiche verkehrspsychologische Intervention im Rahmen der Rehabilitation von Kraftfahrern erfordert immer eine mittel- und langfristig stabile Verhaltensänderung. Eine "Vorbereitung auf die MPU / ein MPU-Training", wie es von zahlreichen Anbietern (einschließlich Fahrschulen) praktiziert wird, ist als kontraproduktiv anzusehen. Es führt dazu, dass in erster Linie vermeintlich richtige Antworten auf Fragelisten auswendig gelernt werden und untergräbt u. a. das Ziel der MPU im Sinne der Gefahrenabwehr.

Neuere Untersuchungen (Kiegeland, Brinkmann, Lehnert & Mück: 2016 / Veröffentlichung voraussichtlich 2016 in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit) haben nachgewiesen, dass hochauffälliges Verhalten im Verkehr ganz überwiegend durch Persönlichkeitsmerkmale bestimmt wird, so gut wie nie dagegen durch mangelnde Kenntnisse von Verkehrsvorschriften und –regeln. Eine Intervention mit pädagogischem Schwerpunkt kann somit nicht zielführend sein, da sie den eigentlichen Problembereich ausklammert.

Dem entsprechend muss bei massiven Verhaltensauffälligkeiten im Verkehr der Schwerpunkt auf einer psychologischen Intervention durch entsprechend ausgebildete Fachkräfte liegen.



Vor diesem Hintergrund ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum gerade im Bereich der "MPU-Vorbereitung" immer häufiger von einer "Entakademisierung" des Geschäftsfeldes gesprochen wird. Tatsächlich wird den betroffenen Personen für (meist) sehr viel Geld eine Mogelpackung verkauft, die aus Informationen zur MPU (gibt es auch kostenlos auf der Homepage der BASt), angeblicher Testvorbereitung und dem Training im Sinne von (vermeintlich) richtigen Antworten auf die (hypothetischen) Fragen von Gutachtern besteht. Einziges Ziel dieser "Vorbereiter" ist das Bestehen der MPU, eine Verhaltensänderung wird nicht angestrebt.
Darüber hinaus entstehen für die betroffenen Personen oft Kosten, die in keinem Verhältnis zur angebotenen Leistung stehen und die z. T. deutlich über den Kosten liegen, die bei einer fachlich korrekten verkehrspsychologischen Intervention entstehen. Dieser Sachverhalt ist für die Betroffenen aufgrund der Preisstruktur vieler Anbieter jedoch nicht sofort erkennbar. So wird z. B. am Ende eines "Grundlagenseminars" dem Teilnehmer nahegelegt, dass er nunmehr noch ein "Aufbauseminar" und danach noch ein "Alkoholseminar" zu absolvieren habe, damit seine Chancen, die MPU zu bestehen, verbessert werden. Nicht selten haben Betroffene am Ende Beträge von mehr als € 4.000 bezahlt. Im Gegensatz dazu liegen die Kosten einer fachlich qualifizierten verkehrspsychologischen Intervention nach einer Untersuchung des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen im Durchschnitt bei 995, 00 Euro.
Das bundesdeutsche System der Begutachtung und Rehabilitation auffälliger Verkehrsteilnehmer kann als mustergültig betrachtet werden. Es erfüllt gleichermaßen die Forderung nach einer Gefahrenabwehr im Straßenverkehr als auch der Rehabilitation auffällig gewordener Kraftfahrer. Untersuchungen zur Rückfallgefahr auffälliger Fahrer nach Begutachtung und Rehabilitation belegen die Wirksamkeit des derzeit praktizierten Systems.
Damit dies auch künftig so bleibt und das bestehende System nicht durch Aktivitäten von nicht- oder minderqualifizierten Personen ausgehölt wird, bitten wir Sie, sich dafür einzusetzen, dass der Bereich "Vorbereitung auf die MPU" durch den Gesetzgeber im Sinne von Qualifikations- und Qualitätsvorgaben geregelt wird, um derartige Missstände einzudämmen und betroffene Personen vor derartigen Machenschaften zu schützen. Ausgangspunkt könnten dabei von der BASt erarbeitete Grundsätze und Regulierungsvorschläge sein, die bereits vorliegen.
Natürlich ist dieses Thema umfassender und vielschichtiger, als es in diesem Schreiben dargestellt werden kann. Deshalb stehen wir gern für ein persönliches Gespräch bzw. weitere Kommunikation zur Verfügung.
Auch würden wir uns freuen, wenn Sie uns einen oder mehrere Ansprechpartner benennen könnten, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Mit freundlichen Grüßen